5 Tage in Dresden und der Umgebung

Zu meinem 60. Geburtstag hatte ich mir von meinen Freundinnen gewünscht, dass sie mir irgendeine gemeinsame Unternehmung schenken. Diese tollen Geschenke konnte ich bisher Corona bedingt noch nicht einlösen. Von Tine bekam ich gemeinsame kulturelle Erlebnisse in Dresden geschenkt. Sie hat in dieser Stadt studiert und kennt sich von daher hier immer noch gut aus, was für mich natürlich ein enormer Vorteil war. Am 20. Juli wagten wir nun mit Maske ausgerüstet den Trip. Wir hatten das Glück, dass Gerste uns mit dem Auto mitnehmen konnte und direkt bei unserem super gelegenen Hotel, der „Cityherberge“ https://cityherberge.de/ abgesetzt hat. Nachdem wir unser Gepäck zur Aufbewahrung dagelassen hatten, gingen wir erst einmal zu Fuß los. Wir liefen zuerst zur Kreuzgasse, wo wir die sächsische Spezialität Eierschecke probieren mussten.

Dann führte unser Weg weiter zur Prager Straße und natürlich zur Frauenkirche. Wir gingen nicht nur hinein, sondern stiegen auch die 67,06 m zur Aussichtsplattform der Kuppel hinauf, von der wir einen wunderbaren Blick über die Stadt hatten.

Auf unserem Stadtspaziergang liefen wir weiter über die Brühlschen Terrassen, an der Semperoper IMG_9617und am Stadtschloss vorbei zum Zwinger.

Abends trafen wir uns mit Winfried, der uns in seinem schicken Cabrio mit nach Radebeul nahm, wo wir im Garten zusammen mit Ingrid, Giannina und Toni zu Abend aßen, wobei wir einen wunderschönen Blick auf die Elbauen hatten.

Nachdem wir den Zwinger schon von außen gesehen hatten, starteten wir am nächsten Tag mit unserer 2-tägigen Museumskarte im Mathematisch-Physikalischen Salon, um uns die Räume auch von innen anzusehen.

Wir waren pünktlich zur Öffnung um 11 Uhr da, was den Vorteil hatte, dass es noch ziemlich leer war. Ein Angestellter erklärte uns eine besondere Sonnenuhr und deren genaue Einstellung. Das war sehr interessant. Im Zwinger schauten wir uns außerdem die Gemäldegalerie an. Besonders gefiel uns das um 1744 entstandene Schokoladenmädchen. Von der Sixtinischen Madonna (1512/1513 von Raffael gemalt) sind besonders die beiden Engel als Ausschnitt bekannt, die abends pink beleuchtet auch auf dem Gebäude zu sehen sind.

Die Porzellansammlung konnten wir nicht anschauen, weil sie nur von Freitag bis Sonntag zu besichtigen ist.

Nach diesen kulturellen Erlebnissen kauften wir eine Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel, die 9€ für uns beide kostete und fuhren mit der Straßenbahnlinie 1 nach Reick, wo wir uns im ehemaligen Gasometer das Panorama von Yadegar Assisi „Dresden 1945“ von der Zerstörung der Stadt angesehen haben. Das war sehr beeindruckend.

Anschließend haben wir die Busse 64 und 65 zum Schillerplatz genommen. Hier fiel mir eine Litfaßsäule auf, die als öffentliche Toilette genutzt wurde.IMG_9794

Nach dem Besuch des Cafés Toskana sind wir über das Blaue Wunder gelaufen. Diese Brücke ist die erste, die ohne Zwischenträger gebaut worden ist.
Da die Zahnradbahn momentan restauriert wird, konnten wir damit nicht in den Stadtteil Weißer Hirsch fahren. Stattdessen sind wir zu Fuß auf den Berg gestiegen und oben angekommen zu der Terrasse des Luisenhofes gegangen, wo wir bei leckerem Essen einen wunderschönen Blick auf die Stadt genossen haben. 

Ursprünglich wollten wir im Yenidze noch einen Drink nehmen, dies hatte aber wegen „Havarie“ geschlossen.

Am nächsten Tag besuchten wir auch das Residenzschloss

mit der Türkischen Kammer, das neue grüne Gewölbe und die Repräsentationsräume von August dem Starken.

Es ist erstaunlich, was in dieser Stadt nach der ganzen Zerstörung im 2. Weltkrieg wieder aufgebaut worden ist!
Den Hausmannsturm und die Münzsammlung konnten wir leider auch nicht besuchen, weil die verschiedenen Räumlichkeiten nur an unterschiedlichen Wochentagen zu besichtigen sind. Die neuen Meister im Albertinum konnten wir deshalb ebenfalls nicht sehen. Ob dies Corona bedingt nur momentan so ist oder immer, konnten wir nicht herausfinden. Von daher ist mein Tipp, die 2-tägige Museumskarte für Donnerstag und Freitag zu kaufen, weil man dann die Möglichkeit hat alles zu sehen.

Mit dem Raddampfer „Leipzig“ fuhren wir am alten Wasserwerk und den Elbschlössern vorbei

zum Schloss Pillnitz,

wo wir durch die die schöne Parkanlage liefen

und das für die Überwinterung einer Kamelie extra angefertigte fahrbare Glashaus bestaunten.IMG_9765

An diesem Tag klappte es nun mit dem Besuch des höchstens Biergartens von Dresden, dem Yenidze. IMG_9767

Ursprünglich wurde dieses Gebäude als Tabakfabrik gebaut. Es sieht aber einer Fabrik so gar nicht ähnlich. Dies liegt daran, dass es Anfang des vorigen Jahrhunderts verboten war, wie Fabrikgebäude aussehende Bauten im Stadtgebiet zu errichten. Von daher ließ sich der Bauherr von der griechischen Stadt inspirieren, die ihm den Tabak für seine Fabrikation lieferte.
Bei strahlendem Sonnenschein beobachteten wir die Ballonfahrer und genossen auch hier den schönen Blick.

Im Anschluss wollten wir unser Hop on Hop off Ticket nutzen und die Abendfahrt durch die beleuchtete Stadt unternehmen, auf die wir uns schon besonders gefreut hatten.  Leider mussten wir an der Haltestelle feststellen, dass diese aktuell nicht stattfindet. Beim Kauf bekamen wir aber weder einen Hinweis darauf noch eine preisliche Reduzierung. Auch die im Prospekt erwähnten Ausflugsfahrten fanden nicht statt. Wir hatten aber das Glück, dass wir an einer gerade begonnenen Nachtwächtertour teilnehmen konnten, bei der wir noch ein paar Informationen zum früheren Leben in der Stadt nahegebracht bekamen.IMG_9788

Am kommenden Tag sind wir nun als Erstes mit dem Hop on Hop off Bus gefahren, wobei wir aber wie die meisten anderen Gäste zwischendurch nicht ausstiegen. Die Informationen während der Fahrt waren sehr gut und für unsere weiteren Unternehmungen super.
Nach einer Pause im Zentrum, wobei wir an einer der vielen Kulturinseln kurz der Musik lauschten, IMG_9799
haben wir uns wieder ein Tagestickets der DVB gekauft und sind damit in Richtung der Elbschlösser gefahren. Beim Lingnerschloss, das dem Erfinder von Odol gehörte, machte die Gastronomie aber erst am Nachmittag auf, so dass wir durch den Weinberg abstiegen

und beim Nachbarn, dem Schloss Albrechtsberg, durch den Park liefen.


Corona bedingt war eine Innenbesichtigung ausgeschlossen.

Das 3. der Schlösser, das Schloss Eckberg, wird als Hotel genutzt. Das lag für uns in der Gegenrichtung, von daher haben wir es nicht besucht. Stattdessen sind wir ein paar Stationen mit der Straßenbahn gefahren und in Pfunds Molkerei eingekehrt, wo wir den wunderschönen Verkaufsraum bestaunten. IMG_9822

Beim anschließenden Gang durch die Neustadt statteten wir der Markthalle einen Besuch ab und wunderten uns darüber, wieviel freie Fläche es in dem Gebäude gab.

Der Goldene Reiter, den wir am Montag bei unserer Anreise noch leuchtend gold gesehen hatten, war nun plötzlich eingerüstet und nicht mehr zu entdecken.

Zum Abschluss des Tages sind wir noch einmal an das Elbufer der Neustadt gelaufen, um die nächtliche Beleuchtung der Stadt zu genießen. Dabei konnten wir erleben, wie gut dieser Bereich der Stadt von den Bewohnern genutzt wird. Auch die Filmnächte am Elbufer finden hier statt. Die Leinwand wurde zu später Stunde heruntergeklappt und mit Blick auf Frauenkirche und Residenzschloss konnten die Besucher den Film verfolgen.IMG_9831IMG_9845IMG_9847

Nach ausgiebigem Frühstück schlossen wir unser Gepäck im Hotel ein und liefen die wenigen Minuten zum Hygienemuseum. IMG_9852
Zuerst schauten wir uns die Sonderausstellung „Future Food“ an. Sie ließ uns allerdings etwas ratlos zurück. Die Dauerausstellung hatten wir beide schon einmal gesehen, was aber jeweils schon lange her war. Auch das Thema Corona wurde kurz angeschnitten.

Vom Museum war es nur ein kurzer Weg zur Gläsernen Manufaktur von VW. Daran waren wir schon auf unserer Bustour vorbei gekommen und hatten erfahren, dass es dort stündlich Führungen gibt.

Wir hätten allerdings erst eine für den Nachmittag bekommen und sind deshalb alleine durch die beeindruckenden Räumlichkeiten gegangen. Durch die gläsernen Etagen konnten wir die Automatisierung sehr gut beobachten. Alle Mitarbeiter*innen tragen ausschließlich weiße Arbeitskleidung.
Die ausgestellten E-Autos wirkten wie aus einem Science-Fiction-Film.

Nach diesem Blick in die Zukunft liefen wir anschließend durch den Großen Garten zum Carolaschlösschen. 


Der Rückweg führte uns am Palais vorbei


zu unserem Hotel, von wo aus wir zu Fuß in Richtung des Hauptbahnhofes gingen.

Negativ aufgefallen sind uns in der Stadt die vielen rücksichtslosen Radfahrer*innen auf den Gehwegen, die häufig in hohem Tempo fuhren.

Die Zeit in Dresden haben wir super genutzt und hatten dabei traumhaftes Sommerwetter. 
Es zeigte sich, dass Städtereisen auch unter Corona-Bedingungen gut zu realisieren sind. An das Tragen der Maske in den Öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften und Museen ist man ja auch schon gewöhnt. 
So kehren wir nun mit vielen tollen Eindrücken aus dieser schönen Stadt zurück.
Vielen Dank an Tine für diese tolle Idee und das super Geschenk!

Zum 1. Mal auf Sylt oder gefühlter Herbsturlaub im Juli

Meine diesjährige Sommerreise habe ich schon im Januar vor Ausbruch der Corona-Pandemie gebucht und bin so froh, dass ich mich für einen Urlaub in Deutschland entscheiden hatte.
Zuerst habe ich nach Ferienwohnungen an der Ostsee geschaut und war erschrocken wie teuer die waren. Preislich gab es keinen Unterschied, ob sie in der Nähe von Stralsund, auf Rügen, Usedom oder Wollin in Polen liegen. Durch ein Gespräch mit Freunden bin ich dann auf die Idee gebracht worden doch einmal nach Sylt zu schauen. Auf dieser Insel war ich noch nie. Mein Vorurteil, dass eine Wohnung dort meinen preislichen Vorstellungsrahmen sprengen würde, hat sich nicht bestätigt. Vielmehr kostete die Wohnung genauso viel wie an der Ostsee und das, obwohl ich hier sogar ein 2-Zimmer-Apartment bekommen habe, was bei einer Reise mit Kind wesentlich angenehmer ist.

Bei der Recherche für die Anreise stieß ich zufällig auf die Webseite von Trainline: https://www.thetrainline.com/de/bahn. Ich habe eine Direktverbindung vom Bahnhof Südkreuz nach Westerland zu einem unschlagbar günstigen Preis von 17,75 € mit Buchungsgebühr gefunden, so dass ich mir die 10 € mehr für eine Fahrt 1. Klasse gegönnt habe. Mein Enkelkind fährt sowieso umsonst mit.
Die Rückfahrt habe ich ein bisschen später zu ähnlichen Konditionen dazu gebucht, weil es im Januar noch keine gute Auswahl gab und wir mehrfach hätten umsteigen müssen.

Zur Vorbereitung auf die Reise diente mir dieses Buch, das ich schon zu meinem Geburtstag geschenkt bekommen habe. Es enthält tolle Tipps, wie man an den vielen markierten Seiten sehen kann.
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Für die Hinfahrt an einem Mittwoch hatte ich keine Sitzplätze reserviert. Wir hatten großes Glück, dass wir über die ganze Strecke ein Abteil für uns alleine hatten. Es war toll zu sehen, wie sich während der Fahrt die Landschaft veränderte, sie schließlich ziemlich flach wurde als wir in Schleswig Holstein waren. Auch die Häuser waren nun typisch norddeutsch. Besonders spannend fand ich die Fahrt über den Hindenburgdamm, wo wir rechts und links direkt neben der Bahnstrecke Wasser sehen konnten.

In Westerland angekommen, begrüßten uns bereits am Bahnhof Carola und Wolf, die hier auch gerade Urlaub machten und holten uns mit unserem Gepäck ab, tausend Dank dafür! Als Erstes fuhren wir zum Einkaufen und dann ging es erst einmal zum „Hofcafé kleiner Kuhstall“ in Tinnum (http://kleinerkuhstall.de/), wo wir leckeren Käsekuchen mit Himbeermark gegessen haben. Danach lieferten sie uns an unserer kleinen Ferienwohnung zum Auspacken ab. Anschließend machten wir unseren ersten Spaziergang ans Meer. Das Licht veränderte sich ständig, was mich sehr faszinierte.IMG_9131IMG_9126IMG_9128IMG_9122IMG_9135

Am nächsten Morgen erkundeten wir nach dem Frühstück erst einmal Westerland.


Dabei entdeckten wir am Rathaus einen Flohmarkt.
Später kamen wir an dem Friedhof der Heimatlosen vorbei, auf dem bis 1905 die Menschen beerdigt wurden, deren Leiche am Strand angespült wurde.


Danach kletterten wir die Himmelsleiter hinauf und erfreuten uns an dem wunderschönen Ausblick aufs Meer.


Beim Straßenverkauf von Gosch holten wir uns Lachs- und Backfischbrötchen, die wir in unserem Garten genossen. Außerdem mussten wir natürlich die Friesentorte probieren. Angespornt durch das schöne Wetter packten wir unsere Badesachen ein und gingen gleich noch einmal los zum Strand. Zuerst fühlten sich die 19° Wassertemperatur recht kühl an, aber als wir erst einmal drin waren, war es toll.

Anschließend wurde uns dann aber doch schnell kalt, zumal 17° Lufttemperatur, wenn sich die Sonne hinter den Wolken versteckt, dann doch etwas wenig ist. Deshalb gingen wir erst einmal zurück, um uns etwas wärmer anzuziehen. Das Meer übte eine solche Anziehungskraft auf uns aus, dass wir an diesem Tag ein 3. Mal hinliefen!

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Busfahren ist auf Sylt eine gute Alternative zum Auto. Neben Einzelfahrscheinen, die je nach Zone unterschiedlich viel kosten, gibt es auch die Möglichkeit eine Sparcard ab 20€ direkt beim Fahrer zu kaufen. Von dieser wird dann jeweils der benötigte Betrag abgebucht und man bekommt einen Fahrschein ausgedruckt. Durch die Sparcard ist die Fahrt etwas günstiger. Insgesamt ist der Preis verglichen mit Berlin aber um einiges teurer.
Natürlich kann man auch fast überall Fahrräder mieten und damit die Insel erkunden. Bedenken muss man dabei natürlich den Wind und in unserem Urlaub auch die immer wieder einsetzenden Regengüsse. Es gibt aber auch die Möglichkeit mit dem Bus zu fahren und das Rad hinten anzubringen und somit mitzunehmen!DSC01215

Unsere 1. Busfahrt führte uns nach Wenningstedt. Dort angekommen, sind wir zuerst in die Friesenkapelle gegangen, die mit ungewöhnlicher Kassettendecke ausgestattet ist. Unterhalb der Decke verläuft ein Band mit goldener Schrift auf dem das Vaterunser auf Friesisch zu lesen ist.

Nach dem Besuch der Kirche sind wir um den Dorfteich gelaufen. Dabei haben wir die Alltagsmenschen-Skulpturen der Künstlerin Christel Lechner https://www.sylt.de/reise-service/insel-news/alltagsmenschen.html bewundert.

Unser weiterer Weg führte uns an der jungsteinzeitlichen Grabstätte Denghoog vorbei, IMG_9177
bis wir schließlich zum Sagenwald kamen. Dieser ist sehr groß und streckt sich über eine ganz schöne Länge.

Er endet kurz vor einem Campingplatz, an dem entlang wir über einen Dünenweg zum Meer kamen. Hier nahmen wir noch eine Biege, um die mit 52,5 m höchste Erhebung der Insel, die Uwe-Düne zu erklimmen. Von dort hatten wir einen wunderbaren Blick bis zur Nordspitze der Insel, in der anderen Richtung bis nach Westerland und zum Leuchtturm von Kampen.
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Anschließend sind wir am Strand, vorbei am roten Kliff,

zurück nach Wenningstedt gelaufen, wo wir uns die anderen Alltagsmenschen der Künstlerin angeschaut haben.

Insgesamt sind wir fast 4 Stunden gewandert, waren aber an der Uwe-Düne auch schon fast in Kampen. Nachdem wir zurück in Westerland waren, ging es erst einmal Pizza essen.

Am Samstag regnete es von morgens bis abends. Carola und Wolf schlugen uns einen gemeinsamen Tag vor, was wir gerne annahmen. Zuerst fuhren wir nach List, wo wir das „Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt“ besuchen wollten. Davor war jedoch eine derart lange Schlange, dass wir ca. 60 min hätten warten müssen. Stattdessen liefen wir erst einmal durch die Tonnenhalle und entschieden uns dann für eine Inselrundfahrt in ihrem Auto. Am Ortseingang von Morsum wurden wir von den Seeleuten im Eisboot begrüßt, die je nach Jahreszeit unterschiedlich gekleidet sind.
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Als wir bis zum Morsumer Kliff gekommen waren, ließ der Regen nach, so dass wir es wagten, auszusteigen und den kurzen Weg zum Kliff zu gehen. IMG_9248
Allerdings ließ der nächste Regenschauer nicht lange auf sich warten, so dass wir ziemlich durchnässt wieder ins Auto stiegen und nun auch alle genug hatten. So entschieden wir uns für einen entspannten Nachmittag und Abend in unseren jeweiligen Ferienwohnungen. Für uns war es trotzdem gut einen Eindruck von der Insel bekommen zu haben und auch Tipps für Ausflüge.

Nachdem wir zumindest aus dem Auto bei Dauerregen den Norden und die Mitte der Insel gesehen hatten, fuhren wir am nächsten Tag mit dem Bus in den Süden nach Hörnum. Im Hafenbecken konnten wir tatsächlich, die dort lebende Kegelrobbe Sylta sehen!
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Bei Windstärke 8 liefen wir am eingerüsteten Leuchtturm vorbei durch den Wald zur Nordseeseite der Hörnum Odde.

Dort erwarteten uns viele Wellen und eine „Sandmassage“. Durch das Nordseewasser, das weit über die Tetrapoden pritzte, schmeckten unsere Lippen ganz salzig. IMG_9265
Die Tetrapoden wurden ursprünglich verlegt, um die Düne und die Häuser zu schützen, was aber nicht klappte. Wir konnten nicht um die Odde herumlaufen, da das nur bei Ebbe möglich ist. Auf dem Rückweg gab es auch wieder Wasser von oben, aber diesmal nur wenig.
Am Strand kann man in der Ferne 2 Inseln erblicken, für die es die RALF-Regel gibt, um eine Eselsbrücke zu bekommen, welche Insel wo liegt. Diese Regel ist ganz einfach: rechts Amrum links Föhr.IMG_9270
Zurück in Westerland wollten wir eigentlich noch einmal im Meer baden. Als wir am Strand ankamen, erwartete uns dort jedoch ein Warnschild „Baden verboten“, weil es gefährliche Unterströmungen gab. Dafür genossen wir eine Wundertüte Eis.

Durch Keitum waren wir bei unserer Regentour im Auto schon gefahren. Nun wollten wir uns den Ort mit den vielen Reetdach- und alten Kapitänshäusern genauer anschauen. Noah lockte natürlich auch das Feuerwehrmuseum. Wir stiegen an der Kirche St. Severin aus dem Bus und kamen zuerst zu der Bronzeskulptur „Komtur“ der tschechoslowakischem Künstlerin Anna Chromy, die zu einem Don Giovanni Zyklus gehört.

Die Gestalt trägt den Mantel des Gewissens, der sie als leere Hülle erscheinen lässt (https://www.st-severin.de/index.php/friedhof/20-friedhof-am-meer). Die gleiche Skulptur befindet sich auch in Salzburg und Prag unter dem Titel Pietá. Da die Kirche geschlossen war, liefen wir nur außen um sie herum und entdeckten dabei an die Kirche gelehnte Kapitänsgrabsteine.
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Von der Kirche aus liefen wir zum Wattenmeer und haben bei dem schönen Spaziergang viele Vögel und auch Krabben gesehen.


Das Feuerwehrmuseum hatte wegen Corona leider geschlossen. So besuchten wir stattdessen das Sylt Museum.


In Nielsens Kaffeegarten (http://nielsens-kaffeegarten-sylt.de/cafe/) mussten wir uns draußen in eine Schlange einreihen, aber erstaunlicherweise nicht besonders lange warten. Die Kuchenauswahl war so groß, dass wir Schwierigkeiten hatten, uns zu entscheiden. Wir bekamen drinnen einen wunderschönen Platz und leckere Torten mit Milchkaffee bzw. heißer Schokolade serviert.

Der folgende Tag war wieder ziemlich verregnet. DSC00975
So passten wir den Regen ab und liefen von unserer Ferienwohnung die halbe Stunde zum Aquarium (https://www.syltaquarium.de/). Es ist recht überschaubar, aber nett gemacht. In einem Bereich sind Meerstiere der Nordsee und in einem weiteren tropische Fische aus Korallenriffen zu sehen. Außerdem führt der Rundgang durch 2 verglaste Tunnel, durch die man z.B. Katzen- oder Glatthaie über sich beobachten kann.


Im Außenbereich gibt es einen schön angelegten Spielplatz mit sehr großem Hüpfkissen und Liegestühlen für die Erwachsenen.IMG_9315
Auf dem Rückweg holte uns dann der Regen wieder ein. Allerdings hatten wir Glück, dass wir schützende Büsche fanden und so nicht sonderlich nass wurden. Im Ortskern gingen wir erst einmal in einen Fischladen und kauften frisches Schollenfilet und Jakobsmuscheln für unser Abendessen ein.

Nun war es endlich so weit, dass es zeitlich passte und wir an der Wattseite Ebbe erleben konnten. Das wollten wir nämlich unbedingt, weil in der Nähe von Braderup das Schiffswrack Mariann bei Ebbe zu sehen ist. Also fuhren wir mit der Buslinie 3 bis Braderup und liefen über die Straße Üp de Hiir zum Watt. Nach kurzer Zeit entdeckten wir das Schiffswrack und liefen auch gleich hin.

Das Watt fühlte sich ganz warm und angenehm an meinen Füßen an.IMG_9323
Noah lief in Gummistiefeln und versank irgendwann so sehr, dass er ohne meine Hilfe nicht allein wieder rauskam! Nach diesem tollen Erlebnis gingen wir weiter durch die Braderuper Heide

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bis wir zur Kupferkanne (https://www.kupferkanne-kampen.de/) kamen DSC01035
und uns in die Warteschlange einreihten. Es dauerte gar nicht lange, bis wir einen Tisch im wunderschönen Garten zugewiesen bekamen. Noah bestellte Apfelkuchen mit Bienenstichdecke und ich Käsekuchen mit Butterstreuseln. Dazu gab es Eisschokolade und Milchkaffee. Die Kuchenstücke waren so groß, dass ich ganz erstaunt war, dass Noah seins schaffte.

Besitzer des Gebäudes war ursprünglich ein Oberleutnant der Kriegsmarine und Bildhauer, der den Flakbunker als Unterkunft zugewiesen bekommen hatte und ein großes Fenster in die Bunkerwand klopfte.


Nach dieser Pause ging unsere Wanderung weiter durch Kampen zur Seeseite. Dort liefen wir am Roten Kliff vorbei und suchten in Wenningstedt die Alltagsmenschen, die wir beim letzten Mal nicht gesehen hatten. IMG_9220
Diesmal stiegen wir nicht in den Bus, sondern liefen noch eine Stunde weiter bis nach Westerland zu unserer Ferienwohnung. Insgesamt waren wir an diesem Tag 6 Stunden zu Fuß unterwegs (abzüglich der Kaffeepause)!
Abends sind wir sogar noch einmal zum Meer gelaufen, um den Sonnenuntergang anzuschauen.

Nach Rantum hatten wir die kürzeste Busfahrt seit unserer Ankunft in Westerland. Hier machten wir eine Rundwanderung am Naturschutzgebiet Rantumbecken entlang.

Wir kamen an einem riesigen Zeltplatz vorbei, wo anscheinend auch einige Dauercamper ihren Stellplatz haben. Unser Weg ging weiter durch die Dünen. Hier waren wir fast allein unterwegs. Es ist so schön, wenn man plötzlich das Meer erblickt!

Wir liefen weiter am Strand entlang, wo wir auch wieder das Spülschiff sichteten, das Sand an die bedrohte Küste spült. Durch die vorherrschenden Westwinde und die dadurch entstehende Brandung verliert die Insel jährlich eine Million Kubikmeter Sand! Dieser Verlust wird durch die Sandvorspülungen ausgeglichen. Obwohl die natürlich sehr teuer sind, rechnen sie sich trotzdem, weil die Steuereinnahmen von Sylt wesentlich höher sind.
Auf unserer Wanderung haben wir übrigens nur sehr wenige Menschen getroffen. Auch am Strand waren nicht viele unterwegs.

Zurück in Rantum liefen wir schließlich zum Hafen. Dort suchten wir die Kaffeerösterei Sylt (https://www.kaffeeroesterei-sylt.com/café/) auf, wo wir in einem Strandkorb super leckere Windbeuteltorte mit roter Grütze und Buttermilchtorte mit Pfirsich aßen.
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In der Hafenstraße gibt es neben der Bonscherei, in der Bonbons hergestellt werden und andere süße Leckereien verkauft werden auch die Strandkorbmanufaktur, wo man sich nach eigenen Wünschen seinen Strandkorb anfertigen lassen kann. Dabei hat man eine große Auswahl an unterschiedlichen Modellen und es steht eine Vielzahl an Stoffen zur Verfügung.

Auf dem Weg nach List kommt man kurz vor dem Hafen an den „Seekühen“ vorbei. In Wirklichkeit sind dies Betongebilde auf Stelzen, die während des 2. Weltkriegs als Schussziele für Boden-Luft-Übungen genutzt wurden.


Die Umrundung der Nordspitze Sylts und damit des nördlichsten Punkts Deutschlands, des Ellenbogens, war ein sehr langer Spaziergang, der an der Bushaltestelle Weststrand losging. Unser Weg führte uns sowohl an der Wattseite als auch an der Seeseite entlang. Unterwegs haben wir viele Schafe und auch Vögel gesehen.

Natürlich kamen wir dabei auch an den beiden Leuchttürmen List-Ost und List-West vorbei. List-Ost ist der größere von beiden, List-West das nördlichste Gebäude Deutschlands. Sie gingen beide am 1. Januar 1858 in Betrieb.

Auf der Nordseeseite ist der Strand unwahrscheinlich breit, ganz hell und von Dünen umgeben.
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Zum Baden ist es hier aber zu gefährlich. Es gibt starke Strömungen und außerdem unglaublich viele Buhnen, die besonders bei Flut dadurch lebensgefährlich sein können, weil sie dann mit Wasser überspült und daher nicht zu sehen sind. Muschelbewuchs und scharfe Kanten können zu Verletzungen führen.IMG_9429

Außerdem können sich hier starke Strömungen bilden, die einen bis zu 80 Meter aufs offene Meer hinausziehen können. Deshalb sind am Strand an diesen Stellen gelbe Warnkreuze aufgestellt.


Ab 1867 wurden die Buhnen in den Sand geschlagen, um dadurch den Sandabtrag an der Küste zu verhindern, was allerdings nicht funktionierte. Eine Demontage ist sehr kostspielig und von daher erfolgte sie bisher nur an wenigen Stellen.
In gar nicht einmal so weiter Entfernung konnten wir die dänische Insel Rømø sehen. Die Nähe zu dem nördlichen Nachbarland war auch dadurch zu merken, dass mir plötzlich das dänische Netz in meinem Smartphone anzeigt wurde. In der Ferne konnten wir auch immer wieder die Sylt-Fähre, die zwischen dem Hafen List und der Insel Rømø verkehrt, sehen.
Auf dem Rückweg beobachteten wir am Königshafen (dem Wattenmeer) viele Kitesurfer. IMG_9465
Das sind die einzigen, die hier außer den Tieren ins Wasser dürfen.
Nach 5 Stunden kamen wir sehr erschöpft, aber glücklich wieder an der Bushaltestelle an. Im Hafen von List wollten wir uns beim Fischstand von Gosch wieder Backfischbrötchen holen, allerdings waren sie gerade dabei, den Stand zu schließen. Dafür haben wir uns drinnen am Fischstand dann mit Leckereien und frischen Brötchen versorgt, die wir dann in einem großen Strandkorb genossen. Ein leckeres Eis rundete den Tag ab.

Ein reiner Strandtag bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein hört sich toll an. Wenn dann aber nur 16 Grad Luft- und Wassertemperatur sind und dazu der Wind mit Stärke 4 weht, dann wird der Weg ins Wasser zur Überwindung und die Gänsehaut ist vorprogrammiert. Wie gut, dass es hier Strandkörbe gibt, die man sich Richtung Sonne schieben kann und die auch vor dem Wind Schutz bieten.

Auf unserem Weg zum Strand und ins Zentrum kamen wir an vielen Einfamilienhäusern vorbei. Statt Zäunen haben viele von ihnen sehr geschmackvolle Steinbegrenzungen, die oben wunderschön bepflanzt sind.

Bei strahlendem Sonnenschein sind wir ein weiteres Mal nach List gefahren, um an einer Schiffstour zu den Seehundsbänken teilzunehmen. Ich hatte vorher danach geschaut, wann Ebbe sein wird, weil dann die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, dass die Sandbänke mit den Seehunden zu sehen sein würden. DSC01176DSC01195DSC01180DSC01178DSC01187
Am Bahnhofsvorplatz haben wir die Tickets dafür gekauft und hatten die Busfahrt darin bereits inklusive. Die Fahrt mit dem früheren Fischkutter Rosa Paluka war ein tolles Erlebnis.
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Während der Schiffsfahrt wurde ein Schleppnetz ins Wasser gehängt und Seetiere gefangen. Wir konnten Seesterne, Krabben, Einsiedlerkrebse, Austern… in die Hand nehmen und bekamen viele Erklärungen, z.B. auch zur Fortpflanzung dieser Tiere.

Anschließend wurde der Fang wieder zurück ins Wasser geworfen.

Da schon klar war, dass der nächste Tag wieder sehr regnerisch sein würde, wollten wir schon am Vortag Eintrittskarten für das Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt in List IMG_9476
kaufen, um eine lange Wartezeit zu umgehen. Dies war aber leider nicht möglich, da sich momentan nur 150 Personen gleichzeitig innen aufhalten dürfen. Stattdessen wurde uns empfohlen bereits um 10 Uhr zu erscheinen, wenn das Haus geöffnet wird. Das haben wir dann auch so gemacht und waren die 3., die eingelassen wurden. Diesmal hat es also super geklappt. Als Erstes bekamen wir Kopfhörer für die unterschiedlichen Hörstationen. Man konnte nicht nur die Sprache wählen sondern auch, ob Kinder erklären oder Erwachsene. Themen der Naturgewalten sind in 3 verschiedenen Räumen „Klima, Wetter, Klimaforschung“, „Kräfte der Nordsee“ und „Leben mit Naturgewalten“. Wetterereignisse, Ebbe und Flut, Sturmfluten, Wanderdünen, Tiere, aber auch Seenotrettung werden sehr gut veranschaulicht. So konnten wir die Auswirkung der Windstärken auf das Wasser im Wellenkanal sehen und in einen Sturmraum gehen, um die Windstärke zu spüren. Die multimediale Ausstellung war sehr gut und auch für Kinder super interessant gemacht.

Auch wenn Westerland ein belebter Urlaubsort ist, zumindest wenn man sich in der Friedrichstraße und deren Umgebung aufhält und der Ort Beispiel für so einige Bausünden ist, so bietet sich Westerland für einen Urlaub ohne Auto an.

Er liegt in der Mitte der Insel und verfügt über eine gute Busanbindung in alle Richtungen. Für uns stellte es sich jedenfalls als ideal heraus hier zu wohnen.

Sehr praktisch und überaus hilfreich ist übrigens, dass es überall auf der Insel öffentliche Toiletten gibt, die mit Seife und Toilettenpapier ausgestattet sind und deren Benutzung zudem kostenlos ist.

Obwohl wir hier keinen wirklichen Sommerurlaub verbringen konnten, so haben wir doch einen sehr guten Eindruck von der Schönheit der Insel und ihrer tollen Natur bekommen.

Von daher haben wir unseren Urlaub sehr genossen und können einen Besuch der Insel nur empfehlen.

Ein letztes Mal kamen wir an den Reisenden Riesen im Wind, des Münchner Bildhauers Martin Wolke vorbei,DSC00919DSC00894DSC00890DSC00891

bevor wir mit vielen schönen Eindrücken in den Zug nach Hause stiegen.

 

 

Erleben einer unwirklichen Zeit oder mein Umgang mit der Corona-Krise

Der Titel meines aktuellen Beitrags hängt ganz eindeutig damit zusammen, wie ich die momentane Zeit empfinde. Plötzlich steht die Welt wie wir sie bisher kannten Kopf. Überall wird über Covid 19 gesprochen und Pläne diskutiert, wie man mit der Pandemie am besten umgehen sollte. Dabei ist das Ganze nicht wirklich greifbar und sehen kann man das Coronavirus ja auch nicht. Die Menschen, zumindest in meinem Umfeld, die Symptome zeigten, wurden nicht getestet, was zu einer großen Verunsicherung führte.
Das Wort „unwirklich“ ist für mich ganz klar das Wort des Jahres 2020.

Dieses Haus ganz in meiner Nähe habe ich erst kürzlich entdeckt. Der Bauherr konnte vor über 100 Jahren noch nichts über die heutige Zeit wissen. Für Viele ist der Spruch über der Eingangstür „Lerne leiden ohne zu klagen“ jetzt sicher passend.
Ich möchte an dieser Stelle aber klar sagen, dass ich überhaupt nicht klagen möchte. Obwohl sich auch mein Leben in den letzten Wochen und Monaten sehr verändert hat, bin ich total dankbar. Ich muss mir in meinem Beruf keine Sorgen über meine Existenz oder Gehaltszahlungen machen. Mir geht es sehr gut. Das kann ich aus vollem Herzen sagen. Ich, die normalerweise inzwischen mindestens einen weiteren Reisebericht geschrieben hätte und viele Konzerte, Theater und Kinos seit meinem letzten Beitrag besucht hätte, muss feststellen, dass ich das alles nicht vermisst habe. Vielmehr ging es mir bereits am Anfang der Krise so, dass ich über jede Absage froh war. Nach einiger Überlegung darüber, warum das so ist, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass mir durch die jeweiligen Absagen die Entscheidung abgenommen wurde, ob ich von mir aus den Besuch der Veranstaltung wage oder lieber die Karten verfallen lasse. Die Erleichterung über jede Absage habe ich jedes Mal deutlich gespürt. Dazu gehörte ein Nachmittag mit meinem Enkelkind Noah im Atze-Theater, ein Wochenende in Neuruppin mit dem Besuch aller Veranstaltungen des Aequinox-Festivals, eine Reise nach Belgrad, eine Geburtstagsfeier in Oldenburg, eine Kollegiumsfahrt nach Rügen, eine Städtereise nach Edinburgh…
Natürlich musste ich auch auf meine samstäglichen Schwimmbadbesuche mit dem Tauch- und Schnorcheltraining verzichten

und auf den Besuch des Studios Körpermitte zum Cantienica-Training. Letzteres konnte ich aber zu Hause durchführen, da Janna jede Woche ein Audio-Trainingsprogramm an uns verschickt hat.

Wer hätte gedacht, dass die Feier zu meinem 60. Geburtstag Anfang März mit meinen Freundinnen für lange Zeit das letzte Zusammentreffen mit Menschen außerhalb des eigenen Haushalts sein würde?IMG_8205

Bisher ist mir die Decke nicht auf den Kopf gefallen. Stattdessen hat die momentane Situation ganz viel Energie für andere Dinge bei mir freigesetzt. So ist meine Steuererklärung schon seit Ende März fertig. Selbst die Papierstapel, die seit Jahren bei mir herumlagen, habe ich nun endlich abgearbeitet und vieles weggeschmissen. Die Fenster sind geputzt, der Balkon bepflanzt und ich habe ganz viel gebastelt.IMG_8276

Nachdem die Schulen schon vor den Osterferien geschlossen wurden und ich mich mit meiner Schulleiterin täglich abwechselte, ließ ich mir die Pneumokokkenimpfung verabreichen und nahm Ende März das Angebot von meiner Tochter Giannina an zu ihr, ihrem Freund, ihrem 9 Monate alten Sohn Ville und ihren beiden Katzen nach Kreuzberg zu ziehen.

Sie boten mir nicht nur ein großes Zimmer an, sondern auch die Nutzung von Tonis Auto, um damit zur Schule zu fahren, damit ich die öffentlichen Verkehrsmittel meiden kann! Ich war von diesem Angebot total überwältigt und hatte damit überhaupt nicht gerechnet.
Mein Arzt hatte den Umzug sehr befürwortet. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, ob zu dem inzwischen beschlossenen Lockdown auch noch eine Ausgangssperre hinzukommen würde.
Nach kurzer Überlegung bin ich dann ganz dankbar zu ihnen gezogen. Giannina hat sich auch richtig auf meinen Einzug gefreut. Ihr fehlten durch das Homeoffice und die Kontaktbeschränkungen ihre Freundinnen sehr. Natürlich konnte ich ihr nicht die Freundinnen ersetzen, aber für Gespräche und gelegentliche Entlastung mit dem Kleinen war ich natürlich gerne bereit. Für mich war das ein unheimliches Kompliment und ich bin sehr froh, dass ich dadurch mehr von der kleinen Familie und natürlich auch Villes Entwicklung mitbekommen habe. Bis dahin bin ich einmal in der Woche am Nachmittag zu ihnen gefahren, was durch die Corona-Krise nicht mehr angesagt gewesen wäre.
Es war so schön mitzuerleben, wie der kleine fröhliche Kerl immer mehr dazu lernte. Anfangs fing er gerade an sich hochzuziehen und stand dann auf sehr wackeligen Beinen. Wir konnten zusehen, wie er immer schneller und sicherer wurde, sich selbstständig hinsetzte und sich an allem möglichen festhielt und daran entlang lief. Mit dem Krabbeln wurde er auch immer schneller, so dass wir richtig aufpassen mussten. Es war einfach toll für mich, dass so hautnah miterleben zu können.
Wir haben uns gut verstanden, ausgiebige Spaziergänge unternommen, neue Rezepte ausprobiert, einige Kuchen gebacken, gespielt, Filme geschaut und jeden Morgen bekam ich einen tollen Cappuccino zum Frühstück.

Toll fand ich es auch nach so vielen Jahren wieder in dem Stadtviertel meiner Studentenzeit zu leben und es neu zu entdecken. Bei den täglichen Spaziergängen mit Ville im Buggy waren wir am Landwehrkanal, im Park am Gleisdreieck, im Viktoriapark, den Friedhöfen der Bergmannstraße, dem Friedhof an der Lilienthalstraße, den Friedhöfen am Halleschen Tor, in einer Kleingartenkolonie am Flughafen, auf dem Stoffmarkt am Maybachufer und mit den Fahrrädern auf dem Tempelhofer Feld.

Nebst den üblichen Dingen habe ich meinen Computer und meine Nähmaschine mitgenommen. Ende Februar war ich auf dem Holländischen Stoffmarkt und hatte von daher Material. Ich bin froh, dass ich dahin gegangen bin, obwohl es stark geregnet hat und zudem ziemlich kalt war.
Inzwischen sind die Strandtasche für meinen Sommerurlaub auf Sylt, der hoffentlich stattfinden kann, nebst mehreren kleinen Täschchen, Brillenetuis und einem Brötchenkorb entstanden.

Außerdem habe ich natürlich diverse Arten und Größen von Mund-Nasenschutz genäht.IMG_8391

Die täglichen Spaziergänge führten uns ganz oft auf die Friedhöfe in der Bergmannstraße, die anfangs nur vormittags geöffnet waren. Da die Spielplätze geschlossen waren, nutzten viele Familien diese wunderschöne Anlage mit den Wiesen und Bienenstöcken zum Entspannen. Der Frühling konnte hier richtig entdeckt werden, da vieles blühte.

Auch ansonsten lohnt sich ein Spaziergang über dieses schöne Gelände immer wieder. Es gibt einfach viel zu entdecken und zu bewundern. Mich hat diese Anlage besonders begeistert, weil die Grabstellen nicht in Reih und Glied angeordnet sind, sondern es viele Wiesen mit blühenden Pflanzen gibt und auch immer wieder Stühle und Bänke zum Verweilen einladen.

Ganz anders ist dies bei den Friedhöfen am Halleschen Tor. Sie haben aber durchaus auch ihren Reiz. Hier gibt es nämlich viele Grabstellen von Berühmtheiten und ebenfalls imposante Bauwerke zu entdecken.


Mit meinen Schüler*innen bin ich über E-Mail in Kontakt geblieben. Teilweise war das recht mühselig, weil immer wieder Mails hin- und hergingen, bis eine Aufgabe fehlerfrei erledigt war. In dieser Situation habe ich den Kindern sogar meine Handynummer gegeben, damit sie auf jeden Fall die Möglichkeit hatten, mit mir in Kontakt zu treten. Bemerkenswert fand ich, wie unterschiedlich die Kinder bzw. deren Eltern auf meine Mails reagiert haben. Viele schickten lediglich die Aufgaben zurück ohne ein Wort dazu zu schreiben. Allerdings gab es auch ein paar Kinder, die selbst schrieben und auf meine Mails sehr persönlich antworteten und mir von sich Fotos schickten. Darüber habe ich mich besonders gefreut.
Wir Kolleg*innen haben für die Kinder einen Film gedreht, der auf der Webseite der Schule zu finden ist: http://www.sternberg-grundschule.de.
Während der ganzen Zeit der Schulschließung sind wir Kolleg*innen miteinander in Kontakt geblieben und haben auch während der „Osterferien“ ESL-Sitzungen (Erweiterte Schulleitung) per Zoom durchgeführt. Dieser Austausch war sehr gut und für uns alle wichtig.

Die Geburtstagsfeier von Carola musste natürlich auch ausfallen. Wir haben sie aber überrascht und ihr am Gartenzaun ein Ständchen gesungen. Darüber war sie sehr gerührt.

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Die anderen Mitglieder unserer Familie haben wir alle 14 Tage über Zoom gesehen und gesprochen. Dadurch konnten wir auch erfahren, wie es meiner Schwester und den Familien ihrer Kinder in Kalifornien geht. Bei einem Zoom-Meeting waren auch meine Cousinen aus Kleinmachnow und Spanien dabei. Ich fand das total klasse und auch spannend zu hören, wie in den unterschiedlichen Ländern mit der Krise umgegangen wird. Dabei haben wir z.B. erfahren, dass die Restriktionen in den USA erheblich höher sind als bei uns. In Spanien gab es eine sehr lange Zeit der kompletten Ausgangssperre mit hohen Strafen bei Nichtbefolgung. Da war es für uns mit der Kontaktsperre vergleichsweise sehr locker.
Vorher haben wir solche Zoom- Videotelefonate noch nie durchgeführt. Toll, dass es die Möglichkeit gibt so in Kontakt zu bleiben!

Ostereier haben wir in der Wohnung gesucht und konnten sie auch in der Umgebung entdecken. Besonders kurios fand ich den Oster-Tannenbaum auf dem Mittelstreifen.

Keiner von uns ist zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass ich 5 Wochen bleiben würde! Gemeinsam Zeit zu verbringen, war sehr schön und hatte für uns alle Vorteile. Im Nachhinein hat sich für mich zudem herausgestellt, dass ich es genau richtig gemacht habe. Die Wohnung über mir wurde nämlich aufwändig modernisiert, inklusive Stämmen von Wänden, Böden abschleifen etc., was für die Nachbarn sehr unangenehm und extrem laut war. Durch meinen Auszug auf Zeit habe ich davon nichts mitbekommen.
Aber auch ansonsten war es toll, bei den Dreien zu leben. Kaum war ich wieder bei mir zu Hause, da habe ich sie schon vermisst. Von daher ist es ein großer Vorteil, dass die Kontaktbeschränkungen nun etwas gelockert sind, so dass ich sie nun ganz offiziell wieder sehen und treffen kann, auch wenn wir nicht mehr in einem Haushalt leben.
Ville war nun schon ein paar Male bei mir, während Giannina und Toni an ihrem Bus gewerkelt haben und auch Noah und Laura habe ich inzwischen schon wieder mehrmals gesehen.

Als klar war, dass die Schule wieder schrittweise öffnen würde, bin ich in meine Wohnung zurück gezogen. Es war ein ganz tolles Gefühl, an meinem 1. Tag von Friedenau aus wieder mit dem Rad zur Schule zu fahren, auch wenn es mit dem Auto von Kreuzberg aus sehr praktisch war.
Damit die Schüler*innen kommen konnten, musste erst einmal ein Hygienekonzept erarbeitet werden. Dazu kamen Pläne für 31 Kleingruppen von Kindern, die zu unterschiedlichen Zeiten mit dem Unterricht beginnen und auch verschiedene Pausenzeiten haben, damit sich möglichst wenig Menschen begegnen. Normalerweise wünscht man sich in einer Schule gerade das Gegenteil!
Außerdem wurden Schilder entworfen, Konzepte für die spezielle Situation erarbeitet, Briefe an Eltern, Kinder und Kolleg*innen geschrieben… Ganz nebenbei lief natürlich auch noch die Versorgung der Schüler*innen mit Unterrichtsmaterial und -aufgaben weiter. Erstaunlicherweise haben wir das an unserer Schule alles sehr gut und schnell organisiert bekommen, so dass nun der Schulbetrieb wieder läuft. Wie es allerdings im neuen Schuljahr aussehen wird, kann momentan keiner sagen. Von daher liegt unsere Planung auch auf Eis und wir können alle nur gespannt sein.

Nach etlichen Wochen ohne weitere Kontakte habe ich mich seit einer Woche jetzt auch wieder mit Freundinnen (draußen) getroffen. Es ist schon merkwürdig, wenn man sich nicht umarmen darf und immer den Abstand einhalten muss, aber gut, dass es nun wieder möglich ist!


Nach vielen Wochen bin ich jetzt zum 1. Mal auch wieder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Dies war schon eine ziemliche Umstellung, da sie nur mit dem Tragen einer Maske benutzt werden dürfen. Bei einer längeren Fahrt, wie in meinem Fall, ist das schon sehr gewöhnungsbedürftig. Auffällig fand ich, dass sich in der Ringbahn viele Menschen nicht daran hielten, während in der S1 alle eine Maske trugen.
Mit Carola habe ich mich getroffen, um zusammen den Skulpturen Boulevard in der Birkenwerderstraße zwischen Birkenwerder und Hohen Neuendorf anzuschauen. Das war sehr schön und eine super Idee von meiner Schwester. Die Kunstwerke haben Namen wie La Cour B, Entpuppung, Turm des Aquarius, Maskenbank, Mondkuss und Reise ins Innere.

Anschließend sind wir den Wanderweg Briesethal entlang spaziert, der sich auch lohnt.

Ich denke, dass jeder selbst entscheiden muss, wie er oder sie aus der Situation für sich das Beste machen kann. Mir geht es so, dass ich durchaus auch positive Seiten sehen kann. So habe ich z.B. nach 10 Jahren, die ich mittlerweile in Friedenau wohne, nun mehr Kontakt zu meiner Nachbarin unter mir bekommen.
Von meiner Familie in den USA höre ich durch Zoom jetzt auch öfter etwas.
Ein weiterer Vorteil ist für mich, dass ich René Lammer, den ich aus Costa Rica kenne, jetzt wieder regelmäßig predigen hören konnte, weil er seine Gottesdienste bei YouTube einstellt. Die Chance hätte ich sonst nicht gehabt, weil es für einen Gottesdienst mal eben nach Northeim bzw. Angerstein zu fahren, dann doch zu weit und aufwändig ist.

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Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie das sein wird, noch lange Zeit mit solchen Einschränkungen leben müssen und was das auch mit mir macht. Wahrscheinlich ist es aber gut, nicht zu wissen, wie lange das andauern wird. Angst habe ich keine, dafür aber die Hoffnung, dass wir Menschen aufeinander aufpassen und aus der Situation lernen. Ich bin gespannt, wie sich unser Leben durch die Pandemie verändern wird.
Dem Plakat, dass ich in der Nähe vom S-Bahnhof Bundesplatz entdeckt habe, kann ich jedenfalls nur zustimmen.

 

Apulien im Winter

Anfang Februar nutzten meine Freundin Tine und ich ein super Angebot, das Flug, Mietwagen, Unterkunft mit Frühstück, eine Olivenölverkostung und Führung durch Alberobello beinhaltete, um Apulien zu bereisen. IMG_7904
Nach unserer Ankunft hatten wir das große Glück am Mietwagenschalter die einzigen Reisenden zu sein, so dass wir sehr schnell zu unserem Fahrzeug kamen. Bedingt durch den zeitigen Flug nach Brindisi erreichten wir bereits am Vormittag unsere wunderschöne und liebevoll gestaltete Masseria San Martino in der Nähe von Pezze di Greco. Benannt ist diese Masseria übrigens nach Sankt Martin von Tours.
Eine Masseria ist ein Gutshof, der in anderen Teilen Italiens eher unter dem Begriff „Agriturismo“ (Bauernhof) bekannt ist.
In unserem Fall bestand der Gutshof aus mehreren Gebäuden, darunter sogar eine eigene kleine Kapelle.

Da wir Anfang Februar die einzigen Gäste waren, bekamen wir ein upgrade und hatten sogar eine Küchenzeile zur Verfügung. Dadurch hatten wir die Möglichkeit uns abends in unserem Zimmer bei der Planung des nächsten Tages an den Köstlichkeiten Italiens zu erfreuen. Das war sehr gut, da wir mit den Siesta-Zeiten unsere Schwierigkeiten hatten. Nach einem ausgiebigen Frühstück machte sich immer erst relativ spät wieder Hunger bemerkbar, was mit den Schließzeiten der Restaurants meist nicht kompatibel war. Ein später Restaurantbesuch wiederum hätte für uns bedeutet, abends im Dunkeln noch einmal losfahren zu müssen, wobei die Restaurants in der Regel erst ab 19:30 Uhr wieder öffneten. Von daher traf es sich sehr gut, dass wir uns mit den leckeren Tortellini, Schinken und Käsesorten der Region selbst versorgen konnten.
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Das Frühstück, im sehr geschmackvoll eingerichteten Frühstücksraum, war sehr gut und reichhaltig.

Das Gelände um die Gebäude herum ist sehr schön gestaltet und insgesamt so riesig, dass man sich auf dem Grundstück mit den vielen Olivenbäumen verlaufen könnte. Wir bekamen an einem Morgen eine Privatführung durch die Eigentümerin und erfuhren dabei u.a., dass die über 1000 Jahre alten Bäume alle eigene Nummern haben, registriert sind und natürlich nicht gefällt werden dürfen. Die Besitzer haben vor 20 Jahren zusätzlich zu den alten Bäumen noch 1200 junge angepflanzt!

Das selbst produzierte Öl wird ohne den Einsatz chemischer Mittel angebaut, gilt wegen der Nachbarn aber nur z.T. als Bio-Öl. Es ist sehr mild und überaus lecker. Die Oliven werden von Ende Oktober bis Ende Dezember geerntet. Anfang des Jahres werden dann die Bäume beschnitten, wobei der gehäckselte Abschnitt dann als Dünger genutzt wird. Für die Ernte der jungen Bäume wird eine Art umgedrehter Regenschirm um den Stamm herum ausgelegt, in den dann die Oliven fallen. Bei den älteren Bäumen geht das nicht. Hier kommen Planen zum Einsatz.

Nachdem wir unser Gepäck ausgepackt hatten, ging es los um die Gegend zu erkunden. Zuerst fuhren wir nur ein paar Kilometer bis nach Fasano.

Auf der Weiterfahrt entdeckten wir schon die ersten Trullis.IMG_7914
Nun ging es noch nach Monopoli, einem sehenswerten Ort an der Adriaküste, wo wir unser 1. Eis genossen.

Beim Schlendern durch die Gassen fielen uns immer wieder ungewöhnliche Kirchenportale auf, die z.T. mit Skeletten und Schädeln verziert waren.

Am dem Weg nach Ostuni, das auch nicht weit von uns entfernt lag, kamen wir am nächsten Tag wieder an einem Trulli-Ensemble vorbei. Da ich diese Häuser so schön finde, fiel es mir schwer, daran einfach nur vorbei zu fahren.
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Ostuni ist eine weiße Stadt, die auf einem Hügel erbaut wurde und uns sehr gut gefiel.

Am Nachmittag wollten wir zum Torre Guaceto laufen. Die Wanderung am Meer entlang klang im Reiseführer sehr gut. Wir stellten allerdings fest, dass sie sich doch sehr zog und es über lange Strecken keinen Weg hinter dem Strand gab, so dass die Wanderung durch den weichen Sand sich etwas mühselig gestaltete. Dazu kam, dass es nirgends die Möglichkeit gab, einzukehren oder auch nur einen Kaffee zu trinken.

Am folgenden Tag stand die Führung durch Alberobello auf unserem Programm. Der Ort ist durch die vielen weiß getünchten Trulli bekannt und gehört seit 1996 zum Weltkulturerbe. In dem höher gelegenen Teil des Ortes stehen Hunderte von ihnen.DSC00836
Mimmo, unser Guide, entdeckte uns schon bei unserer Ankunft und leitete uns zu einem kostenlosen Parkplatz. Als Erstes zeigte er uns eine große Kirche Sant’Antonio di Padova, die die typischen Trullidächer aufwies.

Früher befand sich in der oberen Etage eine Schule, heute gehört dieser Teil des Gebäudes zu einem Hotel.
Nach diesem interessanten Einstieg ging es weiter zu einem ursprünglichen Trullo. Vor dem Eingang befand sich eine Zisterne, deren Wasser durch den Zusatz von Kalk, der einfach von der Hauswand abgekratzt wurde, zu Trinkwasser wurde. Der Innenraum war sehr ausgeklügelt gestaltet. So gab es ein Lüftungssystem, bei dem durch das Öffnen von Fenstern der Rauch der Feuer- bzw. Kochstelle nach Draußen geleitet wurde. Lebensmittel wurden unter der Decke zum Trocknen aufgehängt, da es noch keine Kühlschränke gab.
Die Tiere waren etwas tiefer untergebracht. Sie sorgten einerseits für mehr Wärme und dienten anderseits dazu, dass die Bewohner Antikörper bildeten und damit besser vor Krankheiten geschützt waren.

Nach diesem Einblick in frühere Zeiten zeigte uns Mimmo noch einen modernen Trullo, der als Ferienhaus gemietet werden kann. Er bestand, neben einem modernen Bad mit Regendusche, nur aus einem einzigen Raum mit abgetrennten Bereichen.

Der Ort selbst gefiel uns ausgesprochen gut. Die verschiedenen Dachspitzen sind übrigens auf die Architekten zurück zu führen, die diese als ihr Markenzeichen nutzten.
Nach der überaus interessanten und informativen Führung schauten wir uns noch etwas im Ort um und machten uns dann auf den Weg ins nahe gelegene Locorotondo. Das historische Zentrum war im Reiseführer mit seinen weißen Giebelhäusern als sehr sehenswert beschrieben. Wir erlebten es allerdings völlig ausgestorben. Kein Mensch war auf den Straßen zu sehen. Die Geschäfte waren auch alle geschlossen, obwohl wir noch vor der Siesta-Zeit dort waren. Wir fanden lediglich ein Café, das geöffnet hatte.

Dadurch blieben wir nur relativ kurze Zeit in dem Ort und fuhren stattdessen weiter nach Martina Franca. Auch diese wohlhabende Stadt beeindruckte uns nicht wirklich, da hier ebenfalls kein Leben zu spüren war. Vielleicht ist einfach eine andere Jahreszeit für diese Region besser eignet?

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Daraufhin starteten wir einen weiteren Versuch und besichtigten Noci. Dieser Ort war mit T-Shirts geschmückt, warum konnten wir allerdings nicht herausfinden. Auch die Weihnachtsdekoration war noch angebracht. Bei einem Spaziergang durch Noci haben wir am Nachmittag ein offenes Restaurant gefunden und statteten ihm einen Besuch ab.

Ein besonderes Highlight war der Besuch der Höhlenstadt Matera, die in der Basilika liegt und seit 1993 zum UNESCO-Welterbe gehört. Wer hätte das in den 1950er Jahren gedacht, als die Stadt der Schandfleck Italiens war?

Zu der Zeit lebten gut zwei Drittel der Bevölkerung Materas in Armut und Krankheit in den Höhlen. Deshalb wurde 1952 ein Gesetz verabschiedet, dass bis 1970 zur vollständigen Evakuierung der Höhlenbewohner führte. Nun begannen die Höhlen zu verfallen. 1975 wurden dann einzelne Höhlen von Jugendlichen eingenommen, woraufhin neu gegründete Initiativen sich für den Erhalt der Höhlen und Höhlenkirchen einsetzten. Wir fanden die Bauweise dieses Ortes sehr spannend. Vielfach wurden Häuser in den Schluchten übereinander gebaut, wobei zu unterst meist eine Höhle war.

In Matera gab es auch ein Dalí-Museum. Einzelne Skulpturen von ihm konnten wir im Ort verteilt entdecken.

Am nächsten Tag gab es einen Wetterumschwung, der für wesentlich niedrigere Temperaturen und heftigen Wind sorgte. Wir dachten uns, dass eine Stadtbesichtigung das Beste sein würde und fuhren in die Barockstadt Lecce. Die Bauten waren sehr beeindruckend, der Wind aber auch hier so stark, dass wir uns als Erstes dicke Jacken mit Kapuze kauften, um ihm gewachsen zu sein.

Nach dem Stadtrundgang bei Wind und Kälte sorgte für unsere Rettung wieder einmal ein wunderbares Café, wobei wir das Eis nur anschauten und lieber heißen Cappuccino tranken und uns dazu ein leckeres Törtchen aussuchten. Sitzplätze gab es allerdings leider keine.

In Trani, 46 km nördlich von Bari gelegen, war ich schon vor einigen Jahren bei meinem ersten Apulienurlaub und von der Kathedrale damals so beeindruckt, dass ich unbedingt noch einmal dahin wollte.

Die Cattedrale San Nicola Pellegrino steht direkt am Meer. Wenn man eintritt, gelangt man zuerst in die Unterkirche Chiesa della Madonna della Scala, einem kleineren Kirchenraum mit Säulen recht und links der Bankreihen. Von hier aus geht es noch einmal tiefer in die Krypta der Kathedrale, die mit vielen Säulen geschmückt ist. Über eine weitere Treppe kommt man noch tiefer in die Ursprungkirche, mit Überresten von Wandmalereien.
Der große Kirchenraum liegt am höchsten und ist Licht durchflutet. Die ursprüngliche Eingangstür zur Kirche aus Bronze befindet sich seit ihrer Restaurierung im  Kircheninneren. Rechts vom Altar sind Mosaikreste zu sehen, ursprünglich war damit der gesamte Boden bedeckt.

Auf der Hinfahrt haben wir etliche zerfallene Trullis gesehen, die wir uns nun genauer anschauen wollten. Sie standen alle ziemlich dicht am Meer, das Gelände war aber von der Straße aus unzugänglich.

In Polignano a Mare legten wir noch einen Zwischenstopp ein. Der hübsche Ort ist durch steil aufragende Klippen sowie einige Grotten geprägt. Hier hatte ein Fischrestaurant geöffnet, das wir besuchten.

An unserem letzten Tag besichtigten wir Taranto, das auf der Westseite Apuliens, am Ionischen Meer, liegt und auch die Stadt der zwei Meere genannt wird. Beim Rundgang durch die Stadt stellten wir fest, dass es hier sehr viele zerfallene Palazzi gibt. Die Altstadt ist auch nur noch zum Teil bewohnt.

Auch hier entdeckten wir ein Kirchengebäude, das aus mehreren Kirchenräumen übereinander besteht, den Duomo di San Cataldo. In der Krypta konnten wir gut erhaltene (oder restaurierte?) Fresken bewundern. Bemerkenswert fanden wir die Holzkassettendecke mit 2 Heiligenfiguren im großen Kirchenraum. Neben dem Altar gelangten wir in die im Barock ausgestattete Kapelle, die für unseren Geschmack allerdings überladen wirkte.

Im zum Militär gehörenden Fort konnten wir an einer kostenlosen interessanten Führung teilnehmen.

Zum Abschluss unserer Reise statteten wir noch einmal Alberobello einen Besuch ab. Diesmal landeten wir zuerst in dem Teil des Ortes, der durch „normale“ Häuser geprägt ist. Zuerst waren wir etwas irritiert, fanden dann aber zu „unseren“ Trullis.

Abschließend möchte ich noch bemerken, dass wir im Gegensatz zu anderen Regionen Italiens an keiner einzigen Stelle in diesem Urlaub an einer Mautstelle vorbeigekommen sind und somit auch keine Straßenbenutzungsgebühren bezahlen mussten. Allerdings war auffällig, dass die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf den Landstraßen häufig nur 50 kmh betrug ohne dass dafür ein ersichtlicher Grund zu sehen war. Als Fahrerin eines Mietwagens habe ich mich auch daran gehalten, die Italiener aber alle nicht.

Wir hatten eine sehr schöne Zeit in Apulien. Dennoch würde ich empfehlen, etwas später im Jahr diese Region zu bereisen, um mehr italienisches Leben zu spüren.

In Chișinău, der Hauptstadt der Republik Moldau

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Ohne Julia wäre ich sicher nicht auf die Idee gekommen nach Chișinău zu reisen. Aber dadurch, dass sie dort gelebt hat, war das natürlich etwas ganz anderes. So sind wir gemeinsam von Kiew aus für knapp 2 Tage in der Hauptstadt der Republik Moldau gewesen.

Vom Flughafen wurden wir abends von einem Fahrer abgeholt und direkt zu Julias früherem Haus gefahren, wo wir von ihrer Nachfolgerin sehr herzlich empfangen wurden. Die Köchin hatte für uns sogar eine Quiche und leckere Plăcintă als Nachspeise vorbereitet. Dazu offerierte uns Angela einen ausgezeichneten preisgekrönten moldawischen Rotwein.

Am nächsten Vormittag hat Julia ihre ehemaligen Mitarbeiter*innen besucht, während ich eine 3-stündige Privatführung durch Chișinău gemacht habe. DSC00732
Diese war sehr interessant und informativ. Dabei habe ich z.B. erfahren, dass es in Moldau bereits 1907 antisemitische Verfolgung durch Rumänen gab, die allerdings in den früheren Geschichtsbüchern den Deutschen zugeschrieben wurden. Heute ist dies aus den Schulbüchern nach Auskunft meiner Stadtführerin völlig verschwunden, wohingegen in Rumänien mit der Aufarbeitung inzwischen begonnen wurde.

Viele Deutsche sind auf Einladung der Zaren-Regierung in das wenig besiedelte Land  gekommen. Sie bekamen Grund und Boden kostenlos zur Verfügung gestellt und wurden von der Bevölkerung freundlich aufgenommen. Der Boden war nicht nur fruchtbar, sondern mit 40 cm Muttererde auch besonders gut.
Einer der berühmtesten Deutschen in Chișinău war Karl Schmidt, der von 1877-1903  Bürgermeister der Stadt war.
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In seiner Regierungszeit wurden etliche prächtige Gebäude errichtet, sowie die 1. Straßenbahn für den öffentlichen Nahverkehr eröffnet. So entwickelte sich die Stadt von einer provinziellen Kleinstadt zur Hauptstadt des Landes.
Die Deutschen machten 1930 etwa 10% der Bevölkerung in der Republik Moldau aus, wurden aber in der Nachkriegszeit deportiert. Heute leben weniger als 2% Deutsche im Land. Vielleicht gibt es deshalb in der Stadt Wegweiser, die auch die deutsche Sprache beinhalten.
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Bei der Stadterkundung begegnete uns eine Schulklasse, deren Kinder sich sehr herausgeputzt hatten. Meine Stadtführerin meinte, dass sie wahrscheinlich unterwegs zu einem der Denkmäler wären, um dort ihre Ehre zu erweisen.
In einer Skulptur hat sich der Schöpfer selbst verewigt, indem er von hinten im Profil zu erkennen ist.
In diesem Park gibt es so viele Papierkörbe, wie ich sie noch nie auf so kurzem Weg gesehen habe: rechts und links von jeder Bank war einer angebracht.

Die Metropolitankathedrale der Geburt des Herrn ist Sitz der moldauisch-orthodoxen Kirche. Sie wurde in den 1830er Jahren errichtet. Bei der Stadterkundung hatten wir gleich doppeltes Glück, es fand nämlich gerade eine Hochzeit darin statt, bei der sogar das Zarentor geöffnet war!

Unser Rundgang führte vorbei am Palast der Republik, dem Parlament und dem Präsidentenpalast.

Beim Rathaus gibt es eine Besonderheit und zwar sollte der Turm mit der Uhr zu irgendeiner Feierlichkeit (ich habe vergessen welche) aufgebaut werden. Weil es schnell gehen musste, geschah dies aus dem Material wie bei Filmkulissen und sollte anschließend wieder abgebaut werden. Allerdings steht er bis heute noch so.

In Chișinău gibt es viele kulturelle Veranstaltungsorte. Leider sind die Fassaden jedoch häufig durch große Plakate verunstaltet.

Chișinău hat auch einige Kirchen, jedoch gibt es bei weitem nicht so viele wie in Kiew.
Vor der katholischen Kirche sitzt eine Skulptur des Papstes.

Die Architektur in der Stadt ist recht unterschiedlich. So gibt es Gebäude des Architekten Herta (um 1900 herum), die unter Denkmalschutz stehen, ebenso wie moderne Bauruinen und diese häufig neben schönen alten Gebäuden.

Am Nachmittag habe ich zusammen mit Julia einen Spaziergang um den künstlich angelegten See Valea Morilor gemacht. In seiner Nähe befinden sich einige Rezidenzen von Botschafter*innen.

Die deutsche Botschaft hat hier auch ein Grundstück gekauft. Darauf soll das neue Botschaftsgebäude entstehen. Das Problem ist jedoch, dass die Ruine, die sich darauf befindet, unter Denkmalschutz steht und erhalten bleiben soll. Das dürfte kein einfaches Vorhaben sein.
Auf dem Weg zu diesem Gelände lag eine Musikschule und dieser schöne alte Wasserturm.

Das ist Julias Lieblingsgebäude, in dem sie ein kleines Café aufmachen würde.DSC00734

Zum Abschluss dieses ereignisreichen Tages waren wir zusammen mit unserer Gastgeberin und gemeinsamen Freund*innen von Julia und ihr in einem typischen Restaurant essen. Es gab jede Menge leckerer Vorspeisen und anschließend Platten mit verschiedenen Fleisch- und Fischsorten.
Es war ein sehr netter Abend, der komplett in englischer Sprache ablief, weil außer uns Deutschen, eine Italienerin und ein polnisches Ehepaar daran teilnahmen.

Am nächsten Morgen mussten wir dann bereits Abschied nehmen.
Ich habe einen kleinen Eindruck von Chișinău und seiner bewegten Geschichte bekommen, das Land selbst mit seinen vielen Weinkellereien jedoch nicht gesehen. Lediglich vom Flugzeug aus konnte ich einen Blick auf die hügelige Landschaft mit ihren Weinbaugebieten erahnen. Von daher muss ich wohl noch einmal kommen!
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Kiew, das hieß für mich Eintauchen in eine völlig fremde Welt!

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Alles begann damit, dass ich 2 Tage vor meiner Abreise erfuhr, dass ich entgegen unserer Planung die ersten beiden Tage in der Stadt alleine verbringen würde. Meine Freundin Julia musste die beiden Tage doch noch arbeiten gehen.
Dadurch war die geplante Privatunterkunft erst einmal hinfällig. Das war für mich aber kein Problem, weil ich es rechtzeitig erfahren habe und mich darauf einstellen konnte. So ging ich erst einmal in ein Hotel, dass mir Julia nicht nur buchte, sondern auch bezahlte – vielen Dank dafür!
In Kiew angekommen, fragte ich bei der Information am Flughafen nach den Möglichkeiten, wie ich von da aus zum Hotel kommen könnte. Die Dame bei der Touristeninformation verwies mich auf die nächste Halle im Flughafen. Die Schwierigkeit war nur, dass es dort gar keine weitere Information gab! Mit den kyrillischen Schriftzeichen konnte ich natürlich nichts anfangen und wusste auch nicht, wohin ich fahren müsste. So nahm ich, entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, ein Taxi. Den Fahrer habe ich vorher nach dem Preis gefragt.
Er fuhr sehr schnell, benutzte im Stau auf der Autobahn die Standspur und erreichte in der Stadt 80 kmh!IMG_7265 Trotzdem dauerte die Fahrt ins Zentrum ziemlich lange. Dazu kam, dass der Taxifahrer das Hotel erst nicht fand. Die Straße war zwar die richtige, aber  irgendwann durch eine Schranke versperrt, so dass er noch einmal ums Karree fahren musste. Dank Siri o.ä. kam ich schließlich an. Nun nannte er mir plötzlich einen höheren Preis, ließ sich dann aber auf meinen Widerspruch hin sehr schnell auf den ursprünglich von ihm genannten Preis ein.

Das Hotel war von Julia super ausgewählt, da es sehr zentral lag und es dort trotzdem ruhig war. Nachdem ich meine Sachen abgestellt hatte, habe ich mir in meinen Stadtplan  von der Hotelangestellten den Standort des Hotels markieren lassen und bin erst einmal zu Fuß losgelaufen. In der unmittelbaren Umgebung befanden sich mit der St. Sophia Kathedrale und dem St. Michaelskloster gleich zwei große Kirchenkomplexe. Überhaupt fiel mir auf, dass es in Kiew unwahrscheinlich viele Kirchen gibt.

Im Hotel gab es übrigens noch eine Besonderheit. Ich musste abends mein Frühstück auswählen, dass mir dann morgens zur gewünschten Zeit in mein Zimmer gebracht wurde.
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So gestärkt machte ich mich am nächsten Morgen zuerst auf den Weg zum Maidan. Es ist der Unabhängigkeitsplatz der ukrainischen Hauptstadt. Leider waren trotz des schönen Oktoberwetters die vielen Springbrunnen des Platzes schon ausgestellt und abgedeckt.
Seit der Unabhängigkeitsbewegung der Ukraine im Jahr 1990 ist es auch der Platz, auf dem die politischen Versammlungen und Demonstrationen stattfinden.
Bei uns wurde dieser Platz im Frühjahr 2014 durch gewaltsame Proteste bekannt. Den 10000en Demonstranten ging es dabei um die Zukunft des Landes. Durch ihren Widerstand sorgten sie dafür, dass der ukrainische Staatschef Viktor Janukowitsch das Land verließ und ins russische Exil ging. Der Preis war für die Bevölkerung allerdings hoch, so starben mehr als 80 Menschen um den 20. Februar des Jahres herum.
In der Folge wurde einer der Anführer der Opposition, Arsenij Jazenjuk, Premierminister der Ukraine und der ehemalige Boxweltmeister Vitali Klitschko Bürgermeister von Kiew.

An die massenhaften Proteste wird auf dem Platz durch viele Plakate, Texte und Fotos der dabei Verstorbenen erinnert.
Nur ein Stück weiter steht bei dieser kleinen Holzkapelle ein Denkmal mit den Fotos  der Toten von 2013 und 2014.

Auffällig für mich war, dass an etlichen Stellen in der Stadt die politischen Unruhen der letzten Jahre präsent sind. Diese lange Mauer an dem St. Michaelskloster gedenkt der  seit Februar 2014 Getöteten, in dem andauernden bewaffneten Konflikt in der Ostukraine, bei dem es um die Abspaltung der Gebiete Donezk und Luhansk geht. IMG_7340

Das St. Michaelskloster ist Sitz der Orthodoxen Kirche der Ukraine. Die 1108 angelegte Kathedrale war lange Zeit die landesweit einzige Kirche mit goldener Kuppel. Sie ist in dem typischen hellblau und inzwischen mit vielen goldenen Kuppeln gestaltet. Auch innen ist die Kirche reicht geschmückt.
Neben dem Kirchengebäude befindet sich die Kirche von Johannes dem Täufer mit hölzernem Schindeldach von 1713.

Die diplomatische Akademie und das Außenministerium befinden sich in unmittelbarer Nähe Klosters.

Mittagspause machten ich draußen und entdeckte erst später, wie das Restaurant von innen aussah.

Das Haus mit den Chimären wurde von 1901 bis 1902 im Jugendstil erbaut. Architekt war Władysław Horodecki, der auch als „Gaudí von Kiew“ bezeichnet wird. Das Gebäude steht gegenüber vom Präsidialamt der Ukraine und dient seit 2005 dem ukrainischen Präsidenten als eine Residenz zur Ausrichtung offizieller und diplomatischer Empfänge.

Als ich dort hinlief, fand vor dem Präsidialamt gerade eine Demonstration statt. Eine weitere sah ich am selben Tag von einem Park aus. Worum es dabei ging, konnte ich allerdings nicht herausfinden.

Bei meinen langen Stadterkundungen fielen mir sehr viele Kaffeestände auf,

viele Zebrastreifen, die allerdings lediglich eine Option darstellten,
die meisten Fußgängerampeln zeigen sowohl die Zeit bis zur nächsten Grünphase in Sekunden an als auch deren Länge,
auch große Straßen hatten häufig Kopfsteinpflaster,
Straßen, die durch Schranken oder Poller verschlossen waren,

viele große Autos mit kreativen Parklösungen

und Menschen, die aus mir nicht ersichtlichem Grund auf Gehwegen standen.
Auffällig fand ich, dass sehr viele Menschen rauchen.